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Informationen zur Unterwasser-Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern

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Kulturgut unter Wasser. Der Landesverband für Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit der längsten Küste. Aufgrund der zahlreichen Randgewässer der Ostsee, die als Bodden, Sunde und Wieken bezeichnet werden, beträgt die Küstenlänge ca. 1712 km. Daneben sind 5,4 Prozent der Landesfläche mit Binnengewässern bedeckt. Diese Zahlen weisen auf ein reiches Betätigungsfeld für die Unterwasserarchäologie hin. Zieht man Baggerfunde aus den größeren Flüssen in die Betrachtung mit ein, streuen die submarinen Funde vom ausgehenden Spätpaläolithikum bis hin zu modernen Schiffswracks, die nach dem II. Weltkrieg gesunken sind. Der Schutz und die Bewahrung der zahlreichen Fundstellen wäre ohne die Hilfe ehrenamtlich engagierter Personen und Institutionen kaum zu leisten. Für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern gelten in der Unterwasserarchäologie besondere Bedingungen. Bis zum Herbst 1989 waren nur vereinzelte marinearchäologische Untersuchungen möglich. Die gesamte Küste der DDR galt als Grenzbereich und damit als Sperrzone. Dadurch waren viele Fundplätze unberührt. Aber noch vor der politischen Wende von 1989/90 rückten die submarinen Fundstellen in das Visier archäologisch interessierter Personen. So gründete sich 1982 auf der Insel Rügen eine "Interessengruppe Meeresarchäologie". Unter erschwerten Bedingungen wurden ab 1987 erste Wracks betaucht und dokumentiert. Nach der Wende ging aus der Interessengemeinschaft u. a. der "Verein für Unterwasserarchäologie Vorpommern e.V." hervor," der sich 1994 in den "Landesverband vür Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern" umstrukturierte.

Der Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern

Dem "Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern" gehören zur Zeit ca. 50 aktive Mitglieder aus verschiedenen Berufen an, die alle als Sport-, Forschungs- oder Berufstaucher ausgebildet sind. In Abstimmung mit dem "Amt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern" führen die Taucher des Vereins unterwasserarchäologische Untersuchungen durch. An konkreten Tätigkeiten sind das zunächst die Prospektion archäologischer Objekte in den Binnen- und Küstengewässern des Landes Mecklenburg-Vorpommern und die Untersuchung und Langzeitbeobachtung ausgewählter Fundstellen. Auch hier gilt, wie es gesetzlich seit 1993 geregelt ist, dass der Schutz und die Bewahrung von archäologischen Fundstellen oberste Priorität hat. In den Fällen, in denen eine archäologische Ausgrabung oder Fundbergung notwendig ist, unterstützen die Taucher des Landesverbandes mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit das Amt für Kultur und Denkmalpflege. Das Ziel des Landesverbandes ist die systematische Erforschung der Gewässer zur Erstellung einer Kartei aller an den Küsten und in den Binnengewässern Mecklenburg-Vorpommerns liegenden Wracks und sonstigen Fundstellen. Die Informationen werden im Amt für Kultur und Denkmalpflege gesammelt und ausgewertet. Mitglieder des Landesverbandes sind auch an der wissenschaftlichen Auswertung der submarinen Funde und Befunde beteiligt. So entstanden bereits mehrere Dissertationen und Magisterarbeiten auf der Basis der durch den Landesverband untersuchten Funde und Befunde. Die mit einem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbundene ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder des Landesverbandes für Unterwasserarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern e.V. zur Erhaltung und Erschließung des einzigartigen kulturgeschichtlichen Archivs in der Ostsee und den Binnengewässern Mecklenburg-Vorpommerns wurde 2008 mit der Verleihung der "Silbernen Halbkugel" durch das Nationalkomitee für Denkmalschutz in Leipzig gewürdigt.

Taucher im Einsatz

Die Tätigkeit des Landesverbandes erstreckt sich über fast alle Phasen der Ur- und Frühgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. So unterstützten Mitglieder des Vereins die Untersuchung submariner mesolithischer Siedlungsplätze in der Wismarer Bucht und in den Gewässern um Rügen genauso wie die Aufnahme slawischer Brückenanlagen in den Binnengewässern des Landes. 1997 und 1999 waren Taucher des Vereins an der Bergung zweier mittelalter Koggenwracks aus dem 14. Jahrhundert beteiligt, darunter das bekannte Gellenwrack, das vor der Insel Hiddensee entdeckt worden war (und das auf der EXPO 2000 das Land Mecklenburg-Vorpommern repräsentierte). Eine im Jahre 2000 vor Prerow geortete Kogge, die ebenfalls in das 14. Jahrhundert datiert, wurde nach partiellen Ausgrabungen mit Sand und speziellen Folien abgedeckt, um das Wrack in situ zu erhalten. Diese Fundstelle wird jährlich kontrolliert. Zu den Besonderheiten in den vorpommerschen Gewässern gehört auch das Wrack eines vermutlich 1565 vor Mukran gesunkenen dänischen oder lübischen Kriegsschiffes, aus dem verschiedene Sorten Munition sowie vier Kanonen abgeborgen worden sind. Interessant ist auch das Wrack der dänischen Fregatte "Mynden", die 1718 vor dem Kap Arkona auf ein Kreideriff lief und heute in 12 m Tiefe ruht. Gegenwärtig unterstützt der Landesverband zusammen mit dem Amt für Kultur und Denkmalpflege und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald die Erforschung bronzezeitlicher Fundstellen im Tollensetal nördlich von Altentreptow, wo seit 1996 immer wieder Knochen menschlicher Individuen zum Vorschein kommen, die mittels der C14-Methode in die Zeit von ca. 1300 calBC datiert, also in die Zeit der nordischen Bronzezeitperioden II-III.