Steinzeitliche Siedlungsplätze in der Wismar Bucht

 Forschungsschwerpunkt: Steinzeitliche Küstensiedlungen


Einen weiteren Schwerpunkt der unterwasserarchäologischen Arbeit an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns bildet die Untersuchung steinzeitlicher Küstensiedlungsplätze. Die Ostsee ist geologisch ein sehr junges Meer, das erst im Verlauf der letzten 9000 Jahre durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg seinen heutigen Zustand erreicht hat. Durch diesen Meeresspiegelanstieg sind auch die steinzeitliche Siedlungsplätze nach und nach überflutet worden. Da die Untersuchung dieser versunkenen Küstensiedlungen auch wichtige Daten für den Meeresspiegelanstieg und die Küstenentwicklung Mecklenburg-Vorpommerns liefern, arbeitet das Archäologische Landesmuseum und Landesamt für Bodendenkmalpflege bei den Untersuchungen eng mit der Sektion Marine Geologie des Instituts für Ostseeforschung Warnemünde zusammen.



Der Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern unterstützt diese Arbeiten durch Prospektion neuer Fundstellen im Rahmen eigener Ausfahrten sowie durch Mitarbeit und Bereitstellung von Technik bei den unterwasserarchäologischen Ausgrabungen des Archäologischen Landesmuseum.

Aufgrund der marinegeologischen Voraussetzungen sind vor allem Küstensiedlungsplätze aus der Zeit zwischen 6000 und 2000 v. Chr. das Ziel der unterwasserarchäologischen Forschung. Zu Beginn dieses Zeitraums leben in Norddeutschland spät- und endmittelsteinzeitliche Jäger- und Sammlerkulturen, während weiter im Süden am Mittelgebirgsrand bereits die ersten altjungsteinzeitlichen bäuerlichen Kulturen beheimatet waren. Erst ab ca. 4100 v. Chr. setzt sich auch an der Ostseeküste eine produzierende Wirtschaftsweise durch und bestimmt fortan das Leben der ansässigen Menschen.



Die bisher untersuchten und z.T. neu entdeckten steinzeitlichen Fundstellen befinden sich entlang der gesamten Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Dazu gehören Stationen im Greifswalder Bodden, vor der Nordwestküste Rügens, vor Zingst und dem Darß und vor Kühlungsborn. Ein besonderer Schwerpunkt der Forschungen liegt in der Wismarbucht, wo bisher insgesamt siebzehn neue steinzeitliche Fundstellen mit sehr unterschiedlichen Erhaltungsbedingungen entdeckt werden konnten.



Die weit in die Jungmoränenlandschaft Mecklenburgs eingeschnittene Wismarbucht wird im Nordwesten durch flache Gründe von der tieferen Mecklenburger Bucht getrennt. Am Ende der Mittel- und zu Beginn der Jungsteinzeit muss sie eine fjordartige Bucht mit einzelnen größeren Becken und kleineren Inseln und ein bevorzugtes Siedlungsareal der damaligen Jäger-, Sammler und Fischerkulturen gewesen sein.






Arbeiten auf den steinzeitlichen Fundplätzen in der Wismarbucht.
a: Freilegen der Fundschichten mit dem Unterwassersauger.













Die Untersuchungen erfolgen überwiegend mit dem Arbeitsboot "Goor"













Forschungstaucher des Landesverbandes beteiligen sich bei der Untersuchung der versunkenen steinzeitlichen Landschaften und Siedlungsplätzen.




Arbeiten auf den steinzeitlichen Fundplätzen in der Wismarbucht.
b: Zeichnen der Fundschichten mit Messrahmen



Diese entwickelten während der späten Mittelsteinzeit ausgefeilte Fischfang- und Jagdtechniken, um die marinen Ressourcen ausbeuten zu können. Die daraus entstandenen Nutzungsmöglichkeiten des vielfältigen und reichhaltigen Nahrungsangebotes an Meeressäugern, Seevögeln, Fischen und Mollusken waren sicher ein wichtiger Grund dafür, dass sich die produzierende Wirtschaftsweise der Jungsteinzeit an der Ostseeküste erst mehr als 1000 Jahre später als im binnenländischen Mitteleuropa durchsetzen konnte.

Warum die Fischer, Jäger und Sammler der späten Mittelsteinzeit letztendlich ihr anscheinend stabiles ökonomisches System aufgaben und eine bäuerliche produzierende Wirtschaftsweise übernahmen, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die Untersuchungen submariner steinzeitlicher Siedlungsstellen dieser Zeit sollen dabei helfen, neue Erkenntnisse zum Entstehungsprozess der bäuerlichen Trichterbecherkultur und der damit verbundenen Einführung von Landwirtschaft in Norddeutschland zu gewinnen. Die ausgezeichneten Erhaltungsbedingungen für organisches Fundmaterial auf den submarinen Fundstellen vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns ermöglichen umfassende kulturökologische Studien zu den ökologischen Voraussetzungen und zum ökonomischen Wandel in dieser Zeit.


Diese Untersuchungen werden im Rahmen der im Jahr 2002 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft neu eingerichteten Forschergruppe "SINCOS – Interrelation of Geosphere, Ecosphere and Anthroposphere at Post-Pleistocene Sinking Coasts – an Example of the Southern Baltic Sea." erfolgen, in der in den nächsten Jahren Geowissenschaftler, Biologen, Klimatologen und Archäologen gemeinsam die geologischen und klimatologischen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Umwelt und das menschliche Verhalten im südwestlichen Ostseeraum in den vergangenen 8000 Jahren erforschen werden. Der Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern unterstützt diese Projekt durch die ehrenamtliche Mitarbeit seiner Forschungstaucher bei archäologischen Untersuchungen.

Die Wismarbucht mit den seit 1998 neu entdeckten steinzeitlichen Fundstellen



Verfasser: Dr. Harald Lübke

Kontakt: harald.luebke@eplus-online.de




Links:

http://www.abc.se/~pa/publ/wismarbu.htm

http://www.morgenwelt.de/wissenschaft/000814-steinzeit.htm

http://www.poelonline.de/html/poel6.html


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